„Der tut nichts.“ „Der ist ganz lieb.“ „Der will doch nur spielen.“ So oder so ähnlich haben es vermutlich die meisten Menschen schon einmal gehört, wenn ihnen ein Hund begegnet ist. Für viele Hundebesitzer sind diese Sätze selbstverständlich. Sie kennen ihren Hund. Sie wissen, dass er freundlich ist. Vielleicht möchte er tatsächlich einfach nur Kontakt aufnehmen, spielen oder neugierig schauen, wer da gerade vorbeikommt. Aber was ist, wenn auf der anderen Seite ein Kind steht, das große Angst vor Hunden hat?
Ein Kind, das vielleicht schon beim Anblick eines Hundes die Straßenseite wechseln möchte.
Ein Kind, das sich hinter Mama oder Papa versteckt.
Ein Kind, dessen Herz plötzlich schneller schlägt, das weint oder in Panik gerät.
Dann hilft der Satz „Der tut nichts“ oft nicht weiter.
Denn Angst lässt sich nicht einfach wegargumentieren.
Die Angst meines Kindes ist echt
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt:
Für ein Kind, das Angst hat, ist die Angst real – unabhängig davon, ob der entgegenkommende Hund tatsächlich freundlich ist oder nicht.
Natürlich bedeutet das nicht, dass jeder Hund gefährlich ist.
Natürlich gibt es unglaublich freundliche, geduldige und liebevolle Hunde.
Aber ein Kind mit Hundeangst kann in diesem Moment häufig nicht unterscheiden zwischen:
- einem freundlichen Hund,
- einem aufgeregten Hund,
- einem großen Hund,
- einem kleinen Hund,
- einem Hund, der spielen möchte,
- oder einem Hund, der einfach nur neugierig ist.
Es sieht vielleicht nur eines:
Einen Hund.
Und dieser Hund löst gerade Angst aus.
Wenn wir diese Angst dann mit Sätzen wie „Du brauchst doch keine Angst zu haben“ oder „Der ist doch lieb“ wegreden, fühlt sich das Kind häufig nicht sicherer.
Manchmal passiert sogar das Gegenteil.
Das Kind lernt möglicherweise:
„Mama und Papa verstehen gar nicht, wie schlimm sich das für mich anfühlt.“
Dabei möchten Eltern doch eigentlich genau das Gegenteil vermitteln:
„Ich sehe Dich. Ich nehme Dich ernst. Und ich helfe Dir.“
Darf ich mich als Mutter oder Vater durchsetzen?
Ja. Unbedingt.
Wenn Dein Kind Angst hat, darfst Du einem Hundebesitzer sagen:
„Bitte nehmen Sie Ihren Hund zu sich.“
Oder:
„Mein Kind hat Angst. Können Sie uns bitte etwas Platz geben?“
Du musst Dich dafür nicht entschuldigen.
Du musst auch nicht erst beweisen, dass die Angst Deines Kindes „schlimm genug“ ist.
Und Du musst Dich nicht darauf einlassen, dass der Hundebesitzer Dir erklärt, warum sein Hund wirklich ganz lieb ist.
Vielleicht ist er das.
Aber darum geht es in diesem Moment gar nicht.
Es geht darum, dass Dein Kind gerade Abstand braucht.
Und das ist ein völlig berechtigtes Bedürfnis.
Kinder dürfen lernen, dass ihre Grenzen wichtig sind.
Dass sie sagen dürfen, wenn ihnen etwas zu nah kommt.
Und dass die Erwachsenen um sie herum ihnen helfen, diese Grenzen zu schützen.
Was gebe ich meinem Kind für solche Situationen mit?
Natürlich können wir nicht jede Begegnung mit einem Hund vermeiden.
Und das ist auch gar nicht das Ziel.
Das Ziel sollte nicht sein, dass ein Kind sein ganzes Leben lang vor Hunden davonläuft.
Viel hilfreicher ist es, dem Kind Schritt für Schritt das Gefühl zurückzugeben:
„Ich kann etwas tun. Ich bin nicht hilflos.“
Das beginnt mit ganz einfachen Botschaften:
🐾 Du darfst Angst haben.
Angst ist kein Fehler.
Dein Kind muss sich nicht dafür schämen, dass es Angst hat.
🐾 Du musst keinen Hund anfassen.
Auch wenn alle anderen Kinder gerade begeistert streicheln möchten.
Auch wenn der Hund „so lieb“ ist.
Auch wenn der Besitzer sagt, dass er nichts tut.
Dein Kind darf Nein sagen.
🐾 Du darfst Abstand halten.
Abstand ist kein Scheitern.
Abstand kann Sicherheit geben.
Und Sicherheit ist häufig der erste Schritt, damit Angst überhaupt kleiner werden kann.
🐾 Du darfst Erwachsene um Hilfe bitten.
Kinder müssen solche Situationen nicht alleine bewältigen.
Sie dürfen sagen:
„Ich habe Angst.“
Oder:
„Bitte hilf mir.“
Und sie dürfen darauf vertrauen, dass die Erwachsenen sie ernst nehmen.
Hunde verstehen kann Angst verändern
Ein besonders wichtiger Schritt ist für viele Kinder, Hunde besser zu verstehen.
Denn Angst entsteht häufig auch dort, wo etwas unberechenbar erscheint.
Ein Hund bewegt sich plötzlich.
Er bellt.
Er rennt.
Er springt.
Er schaut das Kind an.
Für ein Kind mit Hundeangst können diese Situationen sehr beängstigend sein.
Wenn ein Kind jedoch langsam lernt, genauer hinzuschauen, kann sich etwas verändern.
Was macht der Hund gerade?
Wie fühlt er sich möglicherweise?
Möchte er gerade Abstand oder Kontakt?
Woran kann ich erkennen, dass ihm etwas unangenehm ist?
Je besser ein Kind Hunde und ihre Körpersprache versteht, desto mehr kann aus dem Gefühl
„Ich weiß nicht, was passiert!“
nach und nach werden:
„Ich kann besser einschätzen, was ich sehe.“
Und genau dieses Gefühl kann unglaublich wertvoll sein.
Angst überwinden heißt nicht: Augen zu und durch
Ein Kind mit einem Hund zu konfrontieren und zu sagen:
„Du musst jetzt einfach mal streicheln!“
ist aus meiner Sicht nicht der richtige Weg.
Denn Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben.
Mut bedeutet auch nicht, über die eigenen Grenzen hinwegzugehen.
Viel wichtiger ist es, einem Kind die Möglichkeit zu geben, in seinem eigenen Tempo neue Erfahrungen zu sammeln.
Vielleicht beginnt der erste Schritt damit, nur über Hunde zu sprechen.
Vielleicht schaut das Kind sich zunächst Bilder oder Videos an.
Vielleicht lernt es die Körpersprache eines Hundes kennen.
Vielleicht beobachtet es einen Hund erst einmal aus sicherer Entfernung.
Und vielleicht kommt irgendwann der Moment, in dem es selbst sagt:
„Ich möchte näher heran.“
Dieser Moment kann nicht erzwungen werden.
Aber er kann entstehen.
Durch Sicherheit.
Durch Wissen.
Durch Vertrauen.
Und durch positive Erfahrungen.
Das Ziel ist nicht, dass jedes Kind Hunde lieben muss
Das ist mir besonders wichtig.
Mein Ziel ist nicht, dass jedes Kind am Ende begeistert mit einem Hund kuschelt.
Nicht jedes Kind muss Hunde lieben.
Nicht jedes Kind muss einen Hund streicheln wollen.
Und nicht jedes Kind muss einen Hund besitzen wollen.
Das Ziel ist etwas anderes:
Das Kind soll sich sicher fühlen.
Es soll wissen, dass es Handlungsmöglichkeiten hat.
Es soll lernen, Grenzen zu erkennen und zu kommunizieren.
Es soll Hunde besser verstehen können.
Und es soll irgendwann vielleicht wieder sagen können:
„Ich habe zwar Respekt – aber ich habe keine Angst mehr.“
Genau dabei begleitet die Pfotentherapie Hamburg
Dabei steht immer das Kind im Mittelpunkt.
Es gibt kein „Du musst jetzt“.
Kein „Stell Dich nicht so an“.
Und kein „Der ist doch ganz lieb, da musst Du durch“.
Wir schauen gemeinsam:
Woher kommt die Angst?
Was macht einem Kind besonders Angst?
Was braucht es, um sich sicherer zu fühlen?
Und dann gehen wir Schritt für Schritt.
Mit Wissen.
Mit Verständnis.
Mit kleinen Erfolgen.
Und – wenn das Kind bereit dafür ist – auch mit vorsichtigen, positiven Erfahrungen mit Luna.
Denn Angst muss man nicht einfach aushalten.
Man kann lernen, sie zu verstehen.
Und man kann lernen, wieder mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu bekommen.
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